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Bogenbau aus einer Kiefernbohle

Prinzipiell ist Kiefer kein schönes Bogenholz. Es ist weich und wenig drucktolerant. Trotzdem gibt es Gründe, seinen ersten Bogen, aus diesem Holz zu bauen. Selten wird gleich der erste Bogen ein Meisterstück. Wenn man also nicht reichlich anderes Holz zur Hand hat, oder warten muss, bis das eigentliche Bogenholz getrocknet ist, kann man sich zum Üben für weniger als zehn Euro eine Baubohle aus Rotkiefer im Baumarkt besorgen. Kiefernbauholz mit den Maßen 2m x 10cm x 8cm ist für so ein Projekt genau richtig. Selbst wenn man keinen kompletten Bogen daraus bauen will, kann man daran üben, seinen ersten Jahresring freizulegen.

Bei der Auswahl muss man ein wenig aufpassen, dass die Jahresringe einigermaßen gerade im Holz liegen und die Äste nicht im späteren Bogen liegen. Optimal ist, wenn das Zentrum der Jahresringe, die ehemalige Baummitte, zentral am unteren Rand der Bohle liegt. Man kann auch einen Bogen bauen, der schräg im Holz liegt, insbesondere für einen Anfänger ist das aber komplizierter. Bei Nadelholz möchte man möglichst viele Jahresringe auf engem Raum haben. Holz mit großen hellen Abständen aus Fühholz zwischen den dunkleren Spätholzringen ist nicht so gut geeignet. Bei Laubholz, wie etwa Esche, ist das anders. Da möchte man möglichst breite Ringe, allerdings auch mit geringem Frühholzanteil, haben.

Gute Jahresringlage
Schlechte Jahresringlage
Gute Jahresringlage
Schlechte Jahresringlage

Sieht man auf dem zukünftigen Bogenrücken der Bohle viele auslaufende Jahresringe, die sogenannten Flammen, ist die Arbeit ein wenig komplizierter, als wenn sie in schön parallelen Linien verlaufen. Äste im Griffbereich sind nicht so schlimm, wie welche an den Enden.

Beim Anzeichen des Bogens sollte man versuchen, vorhandene Äste außerhalb des Bogens zu lassen oder sie möglichst mittig in dem Wurfarm legen. Äste am Rand sind immer schwierig zu behandeln. Zunächst zeichnet man den Bogen nur grob an und kann zu der gegebenen Breite noch ein bis zwei Zentimeter aufschlagen.

Äste außerhalb
Maße des Bogens in mm
Äste möglichst außerhalb des Bogens lassen
Maße des Bogens in mm zwischen den Nocks. Man muss also noch Platz für die Enden vorsehen.

Nachdem man den Jahresring freigelegt hat, können jetzt die genaueren Maße angezeichnet werden. Hilfreich ist es, zunächst eine Schnur längs der Bogenmitte zu spannen. Dabei muss man aufpassen, dass die Wurfarmenden nicht extrem zu entgegengesetzten Seiten wegkippen. Ansonsten handelt man sich verdrehte Wurfarme ein.
Je nachdem, was für ein Stück Holz erwischt hat, ist es nicht perfekt gerade sondern wellig. Die Dicke des Bogens wird dabei immer von einer gedachten Linie auf der Mitte des Bogenrückens angezeichnet. Man muss Wellen im Profil also folgen. Hat der Bogenrücken nur auf einer Seite eine Delle, kippt also von einem weg, muss man den Bogen auf genau dieser Seite dicker lassen. Wenn man später am Bogenbauch arbeitet, kann das irritieren, weil einem die Seite dann noch extremer entgegen kommt.

Nun können die Konturen des Bogens bis auf etwa einen Millimeter an die Angezeichneten Maße heran herausgearbeitet werden. Besonders einfach geht das mit einer Bandsäge. Da bei weitem nicht jeder so ein Gerät hat, leistet auch ein Ziehmesser gute Dienste. In der schlimmsten Not tut es auch eine grobe Raspel.

Ab jetzt sollte nur noch mit Handwerkzeugen gearbeitet werden. Dafür wird der Bogen in einen Schraubstock eingespannt. Zum Schutz des Holzes belegt man die Spannbacken beispielsweise mit Leder, einem dicken Lappen. Man kann auch weiches Holz zwischen Rohling und Schraubstock verwenden. Ich persönlich montiere, für eine bessere Stabilität beim Arbeiten gerne noch eine Art Bank in der Mitte der Wurfarme. Das gibt zusätzliche Stabilität.
Hat man die grobe Bogenform, kann man sich daran machen, den Rückenring des Bogens freizulegen. Damit die Fasern beim Aufspannen des Bogens später nicht reißen, braucht man einen durchgehenden, möglichst unverletzten Jahresring. Eine Holzbohle ist nun aber leider gerade zurechtgesägt, ohne darauf zu achten, einem Bogenbauer einen intakten Jahresring zu bieten. Man muss also das Holz, das den ersten kompletten Jahresring bedeckt, entfernen. Dafür kann man im Grunde ausschließlich mit einem Ziehmesser arbeiten. Andere Werkzeuge, insbesondere Elektrowerkzeuge, sind hierfür ungeeignet. Es ist sorgfältige Handarbeit gefragt. Bei Holz, das vor wenigen Tagen geschlagen wurde, also noch nicht richtig durchgetrocknet ist, lässt sich der Rückenring nur schwer freilegen. Das liegt in erster Linie daran, dass auch das Spätholz durch die Feuchtigkeit im Holz noch vergleichsweise weich ist. Dadurch gleitet das Ziehmesser nicht so gut daran entlang und es kann leichter passieren, dass man in den Rückenring hineinschneidet.
Man beginnt auf der Seite des Holzes, an der sich die Ringe nach außen wölben. Ich verwende ein kleines, scharfes Ziehmesser und halte es dabei über Kopf. Man muss ein wenig probieren, den richtigen Winkel zu erwischen. Wenn man den Dreh aber raus hat, zieht sich die Klinge ins spröde Frühholz und gleitet am festen Spätholz ab.
In der Regel zieht man das Ziehmesser nicht im 90°-Winkel zum Bogenrücken. Das wäre eine eher hackende Arbeitsweise. Besser ist, wenn man es etwas schräg zur Zugrichtung hält und in einem sanften Bogen zieht. So arbeitet man eher schneidend.
Beim Herunternehmen der unterbrochenen Jahresringe mit dem Ziehmesser hilft es, wenn man immer mal wieder den Bereich mit einer Ziehklinge bereinigt und sich den Jahresringverlauf mit einem Bleistift markiert.
Es kann auch nicht schaden, schwierige Stellen, z.B. Äste zu markieren, damit man dort vorsichtiger zu Werke geht. An Ästen ist es einfacher, das Holz nach oben wegzuhebeln.
Markierte Jahresringe
Markierte Gefahrenstelle
Markierte Jahresringe - der freigelegte Teil des Jahresringes ist oben rechts.
Markierter Ast - hier muss man vorsichtig arbeiten.

Stellt man fest, dass der Jahresring, an dem man arbeitet, verletzt ist, oder ausläuft, muss man wohl oder übel den nächstunteren freilegen. Insbesondere auslaufende Jahresringe bemerkt man schneller, wenn man statt am Ende eines Wurfarms am Griff beginnt und abwehselnd an beiden Wurfarmen arbeitet.
Verletzter Jahresring
Auslaufender Jahresring
Verletzter Jahresring - dieser ist nicht als Rückenring geeignet und muss entfernt werden.
Auslaufender Jahresring - dieser liegt schräg im Holz. Deswegen muss der nächst untere gewählt werden.

Die letzten Frühholzreste werden mit einer Ziehklinge entfernt. Man kann mit viel Vorsicht auch eine Glasscherbe verwenden.
Freigelegter Jahresring
Freigelegter Jahresring mit vereinzelten Frühholzresten

Sobald man einen glatten Rücken herausgearbeitet hat, kann man sich daran machen, die weitere Form des Bogens heruaszuarbeiten. Grundsätzlich arbeitet es sich mit dem Ziehmesser, so wie später Schweifhobel und Ziehklinge, am besten vom Griff zu den Tips. Insbesondere bei Bäumen, die sich stark verjüngen, das sind meistens junge Bäume, kann es aber sein, dass so bei einem Wurfarm Splitter einreißen. Das liegt daran, wie die Fasern des Holzes miteinander verwachsen sind. Man sollte in so einem Fall die Bearbeitungsrichtung am betroffenen Wurfarm ändern. Es kann also durchaus sein, dass einem das Holz vorgibt, von den Tips zum Griff zu arbeiten. Bei Problemen sollte es den ehemaligen Baum aufwärts entlang deutlich besser funktionieren als abwärts. Reißt man immer noch Späne aus, muss man auf Raspel und Feile ausweichen.

Mit dem Ziehmesser sollte man nicht über die komplette Wurfarmbreite Späne abziehen. Zunächst arbeitet man links und rechts das verbleibende Holz in einem flachen Winkel herunter. Danach lässt sich die Mitte abflachen. Bricht man danach die Kanten, entsteht schon so langsam die leichte Rundung des Bogenbauchs. Es gilt, lieber viele kleine Späne abzuziehen, als große Splitter abzureißen.

Totholzäste kann man ausbohren und verdübeln. Insbesondere bei breiten Bogen wie diesem, kann man sie aber einfach im Holz lassen. Unter Umständen fallen sie später einfach heraus.

Obwohl das Stück Holz vor einem jetzt schon wie ein richtiger Bogen aussieht, beginnt jetzt erst der wichtigste Teil der Bogenbauens. Man sorgt jetzt dafür, dass beide Wurfarme sich gleichmäßig biegen. Diesen Vorgang nennt man Tillern und er kann deutlich länger dauern, als alle bisherigen Schritte zusammen. Man sollte sich also Zeit dafür nehmen. Hier entscheidet sich nämlich, ob man einen Bogen, oder Brennholz fabriziert.

Man beginnt mir dem Sogenannten Bodentiller. Stellt man zunächst einen Tip stabil auf eine feste Unterlage. Danach fasst man oben am anderen Tip und am Griff an und drückt den Bogen ein wenig durch. Es darf dabei nur so weit gebogen werden, bis man erkennt, ob die Biegung einigermaßen gleichmäßig verläuft. Biegt man zu weit und zu lange, besteht die Möglichkeit, dass der Wurfarm Set bekommt oder sogar bricht. Wer beim Bodentiller geschickt vorgeht, kann den Bogen so sogar komplett fertig tillern.
Meist verwendet man aber einen Tillerstock oder eine Tillerwand für den Feintiller. Dabei wird der Bogen Stück für Stück immer so weit ausgezogen, bis man entweder an der gewünschten Zuggewichtsgrenze angelangt ist, oder man eine unharmonische Biegung erkennt. Der Bogen sollte beim Tillern immer nur dann weiter ausgezogen werden, wenn man beim aktuellen Auszug keine Unregelmäßigkeiten mehr erkennen kann.
Prinzipiell nimmt man immer an der Stelle etwas Material weg, die etwas zu steif erscheint. Dabei muss man zunächst ein Gefühl entwickelt, wie viel Material man wirklich abtragen muss. Nach jedem Bearbeitungsschritt zieht man den Bogen ca. 20-30 mal aus, damit sich das Holz setzen kann und die Änderung wirksam wird.
Nun können unterschiedliche Probleme auftreten. Nur selten ist ein Stave perfekt gerade gewachsen. Ab und zu tritt zumindest ein leichter Drehwuchs auf. Dadurch dreht sich mindestens einer der Wurfarme zu einer Seite weg. Das möchte man vermeiden, damit die Sehne möglicht direkt zurückschellt.
Es gibt mehrere Möglichkeiten damit umzugehen. Zwei davon, müssen im Grunde schon angewandt werden, bevor man die Bogenform herausarbeitet. Man kann den Rohling in der Mitte eine halbe Stunde lang unter Dampf halten oder ihn vorsichtig mit der Heißluftpistole von allen her erwärmen. Dadurch wird das Holz kurz flexibel und man kann den Drehwuchs im Griff, der ja beim Auszug kaum belastet wird, zumindest teilweise herausdrehen. Die zweite Möglichkeit ist, den Stave quer im Griff durchzusägen und leicht gedreht wieder zusammenzuspleißen.
Die nächsten beiden Möglichkeiten kann man beim Tillern anwenden. Dreht ein Tip sich zur Seite weg, so legt die Wurfarmseite, zu der sich der Arm dreht, einen kürzeren Weg zurück. Sie ist also die stärkere Seite, die geschwächt werden muss. Dafür nimmt man am Bauch nur auf dieser Seite etwas Material weg. Das kann optisch irritierend sein, weil die stärkere Seite vom Schützen aus gesehen häufig schon weiter weg steht und so mehr Vorspannung hat. Man nimmt in so einem Fall also auf der Seite, die ohnehin schon weiter von einem entfernt ist, auch noch Material weg. Zusätzlich kann man mit Sidenocks arbeiten. Das sind Nocken, die nur auf einer Seite des Bogens angebracht werden. Dabei macht man die Kerben auf der schwächeren Seite des Wurfarmes, also die Seite, zu der er sich nicht biegt und feilt sie bis kurz vor der Wurfarmmitte ein.

Schwächung an verdrehten Wurfarmen
Sidenocks bei verdrehten Wurfarmen
Bei verdrehten Wurfarmen muss Material an den dunklen Stellen abgenommen werden
Sidenocks werden bei verdrehten Wurfarmen an den rot markierten Stellen eingefeilt

Anders ist es, wenn ein Wurfarm zur Seite kippt, ohne sich zu verdrehen. Das komm aber seltener vor. In so einem Fall ist die Seite, zu der der Bogen kippt, schwächer, als die andere. Der Effekt ist ungefähr der gleiche, als wenn man ein Brett auf zwei unterschiedlich starke Spiralfedern stellt. Belastet man diese Konstruktion von oben mit einem Gewicht, kippt das Brett zur schwächeren Seite weg. Hier muss man nun am Bauch die Seite schwächen, zu der der Bogen nicht kippt, weil sie die stärkere ist.

Stimmt der Tiller des Bogens, folgt das sogenannte Finish. Dabei entfernt man alle Berabeitungsspuren, die noch vorhanden sind und versiegelt die Oberfläche. Man verhindert so, dass sich an Kanten Spannungen aufbauen. Außerdem wird die Oberfläche unempfindlicher gegenüber Stößen und Feuchtigkeit. Ziel ist es, das Holz so glatt und die Übergänge so weich wie möglich zu bekommen. Es kann ohne weiteres sein, das der Bogen dabei um die zwei Pfund Zuggewicht verliert.
Normalerweise sollten nach der Arbeit mir der Ziehklinge kaum noch grobe Riefen beipspielsweise von der Raspel zu finden sein. Sollte das doch der Fall sein, schleife ich zunächst von Hand mit 80er Schleifpapier ganz grobe Bearbeitungsspuren nur am Bauch weg. Beim Schleifen muss immer mit der Faser gearbeitet werden. Arbeitet man quer, reißt man sich Riefen ins Holz. Gerade das 80er Papier nimmt schnell viel Material weg. Deswegen sollte man es mit Bedacht einsetzen und nicht zu viel Druck aufbauen.
Danach befestigt man 120er Papier auf einem Schleifblock, zum Beipsiel aus Kork, und der Bauch wird damit abgeschliffen. Das ergibt in der Regel schon eine sehr glatte Oberfläche. Wenn man den Bogen ins Tageslicht hält und dabei hin und her bewegt, kann man meist sehr gut sehen, ob noch Spuren quer zur Faser vorhanden sind. Diese sollten vollkommen glattgeschliffen werden.
Jetzt kommt ein Gang mit 240er Papier. Diesen führe ich in der Regel ohne Schleifblock durch. Jetz wird auch ganz vorsichtig der Rücken abgeschliffen, um die letzten Spuren von Rinde zu entfernen und die Kanten vom Rücken her zu brechen. Der Schleifstaub wird danach mit lauwarmen Wasser und einem triefnassen Lappen abgewaschen. Nun muss der Bogen trocken. Da die Faserenden aufquellen und sich dadurch aufrichten sollte der Bogen etwas stoppelig werden, fast wie ein Dreitagebart. Das kann man wiederholen, bis der Bogen nicht mehr stoppelt und einen letzten Gang mit 400er Papier ohne Schleifblock machen. Alternativ kann man Stahlwolle verwenden. Durch die Schleiferei hat sich unter Umständen der Tiller verändert und man sollte diesen jetzt noch einmal überprüfen.
Ich tunke einen Lappen in Leinölfirnis und reibe den Bogen abschließend damit ein. Dafür ziehe ich Gummihandschuhe an, um meine Hände zu schützen. Überschüssige Flüssigkeit muss abgewischt werden, da sich sonst Nasen bilden und der Firnis nicht sauber einzieht. Das muss dann etwa 12 Stunden eintrocken und insgesamt trage ich drei Schichten auf. Der Bogen ist jetzt wfertig und durch die Behandlung mit Leinölfirnis behält das Holz fast seine ursprüngliche Farbe, bekommt aber einen leichten Stich ins Gelbe. Statt Firnis kann man aber auch normales Öl (trocknet langsamer und braucht mehr Anstriche), Beize, Schellack oder Lack (mit Klarlack kann man die Holzfarbe im Grunde komplett original erhalten) nehmen.

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